Die Zeit auf der Frühchenstation

Vor ein paar Tagen habe ich erfahren, dass eine Bekannte ihre Zwillings Jungs 11 Wochen zu früh bekommen hat. Die beiden liegen auch in Altona. Bei mir läuft da ein Film ab und ich fühle es einfach so krass, was da gerade in ihr vorgeht.

Ich weiß noch wie ich mich in der Anfangszeit gefühlt habe. Es ist ja ohnehin schon eine Belastung, wenn man Mama wird, aber unter der Bedingung ist es eine Zerreißprobe. Ich habe damals wenig an mich herangelassen, habe mich nur auf meine positiven Gedanken und Gefühle konzentriert und mir nichts anderes einreden lassen. Ich habe versucht, so oft wie möglich mit den Jungs zu kuscheln, aber habe auch auf meine Bedürfnisse gehört. Wenn ich mal eine Auszeit brauchte, dann habe ich Zuhause geschlafen, um neue Energie zu tanken. Hier hat mich mein Mann immer gut aufgefangen, er hat genau gewusst, wann meine Grenze erreicht war und hat mich ermutigt, eine Nacht mit Nachhause zu fahren und nicht ins Mc Donald Haus zu gehen. Ich bin jeden Tag eine kleine Runde spazieren gegangen und habe versucht einfach nur durchzuatmen.

Das Kuscheln mit den Babys ist wirklich anstrengend. Man liegt zwar auf einem relativ bequemen Stuhl, aber kann sich nicht wirklich viel bewegen. Vielleicht hätte ich mich bewegen können, aber ich habe es fast nie gemacht, weil ich keine Kabel oder Schläuche rausziehen wollte. Außerdem wollte ich den Babys so viel Ruhe wie möglich geben. Dieses „Rumliegen“ hat mich sehr angestrengt und manchmal war ich auch froh, als das Kuscheln vorbei war. Dabei habe ich mich jedes Mal schlecht gefühlt, wenn ich so einen Gedanken hatte. Das Gepiepe von den Monitoren und der generelle Krankenhausalltag waren oft sehr präsent. Ich habe versucht, alles richtig zu machen und eine gute Mutter zu sein, obwohl ich mich oft noch gar nicht als Mutter fühlte. Es fühlte sich so an, als würde ich in zwei verschiedenen Leben leben, eine Jana auf der Frühchen Intensivstation und die andere Jana außerhalb. Es war alles so verwirrend.

Ich weiß noch, dass ich immer extrem darauf geachtet habe, alles zu desinfizieren und zu reinigen. Generell ist es so, dass man seine Hände, Unterarme, die Stühle auf denen man liegt, die Milchpumpe, eigentlich alles, was man anfasst, desinfiziert. Lars und ich haben da wirklich sehr drauf geachtet, weil wir wussten, dass es für unsere Jungs so wichtig ist. Wir haben sogar ein paar Mal andere Eltern in der Elternschleuse angesprochen, dass sie bitte ihre Hände waschen und desinfizieren sollen, bevor sie auf die Station gehen. Mir ist es ein Rätsel, warum Eltern deren Kinder auf der Frühgeborenstation liegen, so fahrlässig sind und unnötige Keime mit reinschleppen. Also bitte liebe Leute, solltet ihr mal auf eine Intensivstation gehen, bitte denkt daran euch gründliche die Hände zu waschen und sie zu desinfizieren.

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